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Kimi reist, kocht, wohnt, liebt und…lebt: die Kolumne.

LIEBE JANA, 22, AUS KASSEL

Liebe Jana, Du hast Dich auf der Demo in Hannover mit Sophie Scholl verglichen. Sie hat gegen die Nationalsozialisten Widerstand geleistet. Aber Du bist nicht wie Sophie Scholl. Du wächst in Frieden, privilegierten Verhältnissen und vor allem in Freiheit auf. Freiheit, die es Dir ermöglicht, all das zu sagen, was Du auf den „Querdenken“-Demos sagst. Auch wenn Du dafür – zurecht – kritisiert wirst. Denn heute, liebe Jana, kannst Du durch die Straßen von Kassel gehen, ohne verhaftet zu werden. Du musst keine Angst haben, sterben zu müssen wegen dem, was Du am Sonntag in Hannover auf der Bühne gesagt hast. Du bist nicht wie Sophie Scholl. Und das ist keine Meinung, sondern Fakt. Du weißt Deine Privilegien und Deine Freiheiten nicht im Ansatz zu schätzen. Denn würdest Du das tun, dann wüsstest Du, dass Du kein bisschen wie Sophie Scholl bist. Dann hättest Du das auf der Bühne auf dem Opernplatz nicht gesagt. Dann wäre Dir nicht mal dieser Gedanke gekommen. Du bist nicht Sophie Scholl. Du bist Jana, 22, aus Kassel. Und ganz …

SIND INFLUENCER IN DER PFLICHT, ETWAS ZUM #BLACKOUTTUESDAY ZU TEILEN?

Viele Menschen haben am Dienstag schwarze Quadrate in ihrem Feed gepostet – und teilweise wenige Tage später wieder gelöscht, weil der schöne, helle, farblich passend aufgebaute Feed dadurch zerstört wird. Viele Menschen haben am Dienstag in ihrer Story Links, Profile, Bücher, Hörbücher, Podcasts, Videos und Bilder geteilt – und konnten bei anderen sehen, wie sie weiter Werbung geschaltet und ihren Alltag geteilt haben. Viele Menschen haben am Dienstag Kritik geerntet, Beleidigungen im Postfach gehabt und diesen Hass auch geteilt.

VOM HIER UND JETZT

Ich konnt noch nie im Moment leben. Nur ans Hier und Jetzt denken. Im Kopf war ich schon immer fünf Jahre oder eine Reise weiter, seit ich Überlegen kann. Was möchte ich noch erleben? Wo will ich noch hin? Was möchte ich sehen? Was erreicht haben? Und das ist auch meistens eher gut als schlecht. Meine Planerei und Kontrolle. Mein Überblick und meine Bucketlist. Das mag ich an mir. Aber abends wird es mir manchmal zum Verhängnis. Da stell ich alles infrage und meine Prioritäten nach ganz unten. Da seh ich nur das, was andere haben, und wo ich niemals sein werd. Da frag ich mich, was das alles soll, wenn wir alle irgendwann nicht mehr sind. Und überlege mir Dinge, die ich ändern würde, wenn ich könnte. Und ich denk an dich. Was ich dir noch hätte sagen sollen. Was du noch hättest sehen sollen. Erleben sollen. Weißt du eigentlich, was für ein Vorbild du für mich warst? Denn du konntest das mit dem Jetzt und Hier, im Gegensatz zu mir. Aber that‘s life, …

WELTSCHMERZ: HURRA, DIESE WELT GEHT UNTER?!

Hier sitze ich nun am Sonntag, nachdem ich den Weihnachtsbaum abgeschmückt, Wäsche gewaschen, aufgeräumt und das Bad geputzt habe. Ich sitze auf dem Sofa, lackiere mir die Nägel und schaue Vikings. Während auf der anderen Seite der Welt die Menschen alles, auch Sofa und Nagellack, an die Flammen verloren haben. Während ich mich in den letzten Tagen von einem geliebten Menschen verabschieden musste. Während Krieg droht, Menschen hungern, Städte überschwemmt, Kinder geboren werden und hier auf Instagram die Leute erzählen, dass sie ihre Wohnung schon umdekotiert haben, ein neues Outfit posten oder schon überlegen, wo sie nächstes Silvester feiern. 

NEURODERMITIS – WER BRAUCHT DAS SCHON?

Rissige und trockene Haut, blutige Ellenbogen, Schuppen auf der Kopfhaut – die typischen Merkmale für Neurodermitis, auch atopisches Ekzem genannt, lassen sich meist schwer übersehen. Mit dieser chronischen Hautkrankheit kommt meist ein riesiger Juckreiz einher, unter dem die Betroffenen sehr leiden.

LIEBESBRIEF AN MICH SELBST

Liebes 14-jähriges Ich, weißt du was? Du bist gut so, wie du bist. Du kannst aufhören, dich zu verstecken und mit zu schwimmen. Lass es raus: die Pastellfarben, den Glitzer, dein lautes Lachen und deine Gedanken. Vor allem die. Schreib sie auf, trag sie in die Welt, erzähl sie dann, wenn sie dir kommen – wer soll dich schon hindern, außer dir selbst? Es ist egal, was andere denken über dich. Es achtet niemand darauf, dass du dir einen Tag nicht die Achseln rasiert, zwei Tage dasselbe an oder nicht diese hässliche Longchamp-Handtasche hast, wie sie alle grad haben. Dein Rucksack ist cooler. Du bist cooler. Und deshalb bleib bei dir und bleib bei deinen Freundinnen – sie werden auch in sieben Jahren noch an deiner Seite sein. Du kannst alles schaffen, was du dir in den Kopf setzt und du wirst sie umhauen, immer und immer wieder. Scheiss auf die 6 in Latein, scheiss auf die, die dein Lachen immer zu schrill fanden, scheiss auf die, denen du zu nervig bist. Du bist gut. …

"SEI NICHT SO SCHÜCHTERN" – DANKE, SIE HABEN MICH GEHEILT

Der Schnee knirscht unter meinen Schuhsohlen und peitscht mir ins Gesicht. Meine Brille ist klatschnass, ich kann kaum noch was sehen. Und meine Finger? Die spüre ich schon seit fünf Minuten nicht mehr. Hildesheim. -2 Grad. Das war vorgestern. Und richtig, ich bin spazieren gegangen. Als ich wieder zu Hause war, musste ich meine Haare föhnen. Während ich aber durch meine Straße gestapft bin im Schnee, kam mir der Gedanke wie viele Jahre ich jeden Morgen um 7 Uhr bei jedem Wetter das Haus verlassen hatte. Auch bei solchem. An unserer Bushaltestelle standen so viele Kinder jeden Morgen und haben auf die drei Busse gewartet, auf dessen Gängen man aufpassen musste, nicht hinzufallen, in denen die Brille sofort im Winter beschlug, wenn man einstieg. Dieses Jahr ist es drei Jahre her, seit ich mich zum letzten Mal morgens um 7 auf den Weg zur Bushaltestelle gemacht habe. Und ich vermisse es kein Stück. Ich vermisse es nicht, dass mein Leben damals nur aus acht Stunden Schule und denselben Menschen fünf Tage die Woche bestand. Ich …

VOM WARTEN AUF‘S JETZT

Unfassbar, wie viel Zeit unseres Lebens wir damit verbringen zu warten. Aufs Wochenende. Auf den Pizzaboten. Auf den 18. Geburtstag. Auf Feierabend. Auf den Bus oder (viel wahrscheinlicher) die Bahn. Darauf, dass unser Lieblingsmensch endlich zur Haustür reinkommt. Auf Urlaub. Auf das Paket, was schon vor zwei Tagen hätte ankommen müssen. Auf Sommer. Dabei könnten wir auch unter der Woche viel erleben und schönes machen. Wir könnten jeden Tag feiern, dass wir geboren wurden. Wir könnten sagen: „Heute lauf ich einfach mal“ oder unseren Lieblingsmenschen von der Arbeit abholen. Oder wir könnten uns Musik anmachen und im Bikini in der Badewanne liegen.

ÜBER DEN WEIBLICHEN KÖRPER

Egal ob auf Blogs, Instagram oder Tumblr. Überall auf Social Media sieht man immer mehr Nacktheit, und allem voran nackte Frauenkörper. Es gibt Fotos von „hot dog legs“ am Pool, jungen Frauen in Badeanzügen oder Bikinis, die kaum etwas verdecken – Hauptsache die Nippel – und Fotos von Frauenhintern in engen Leggings und Brüste verpackt in Sport-BHs.   „The naked female body is treated so weirdly in society. It’s like people are constantly begging to see it, but once they do, someone’s a hoe.“ – Lena Horne Ich bin nicht sehr selbstbewusst aufgewachsen, war immer unsicher mit meinem eigenen Körper. Als junges Mädchen darf man mit seinem Körper nicht viel tun, ohne gleich als obszön oder vulgär abgestempelt zu werden. Als Mädchen lernt man seinen Körper zu verstecken. Es fängt mit banalen Dingen, wie in der Öffentlichkeit Pinkeln an, was Jungs dürfen. Aber wie viele Mädchen habt ihr in eurem Leben schon am Straßenrand hocken und pinkeln sehen? Jungs dürfen ohne Wenn und Aber oberkörperfrei rumlaufen, es stört niemanden. Trägt ein Mädchen keinen BH und …

ÜBER SELBSTLIEBE UND BODY POSITIVITY

Du stehst vor dem Spiegel und schaust dich gründlich an. Du entdeckst kleine Pickel in deinem Gesicht, die rechte Augenbraue, die du weniger magst als die linke und deinen Schneidezahn, der länger ist als der andere. Du fühlst, wie sich deine Wirbelsäule leicht knickt, weißt, dass deine Brüste nur Schwestern sind und keine Zwillinge. Dehnungsstreifen an den Oberschenkeln und Waden, zwei unschöne und nur sehr langsam verblassende Narben, die gerötete und aufgekratzte Haut in deinen Kniekehlen und überhaupt sind deine Oberarme genauso wie deine Oberschenkel viel zu schwabbelig.   Ungefähr das bin ich, wenn ich mich selbst darauf reduziere, was ich an meinem Äußeren nicht mag. Schaue ich aber genauer hin, sehe ich Augen, die von Grün zu Grau, von Grau zu Blau in jedem Licht ihre Farbe wechseln. Wimpern, die länger kaum sein können. Ein Grinsen, das dem meiner Lieblingsmenschen so ähnlich sieht und gleichzeitig einzigartig ist. Ich höre mein Lachen, das meine Mitmenschen in den meisten Fällen mitreißt. Ich sehe einen Bauch, der hoffentlich irgendwann mal kugelrund sein wird. Meinen Ringfinger an der …