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Kimi reist, kocht, wohnt, liebt und…lebt: die Kolumne.

SIND INFLUENCER IN DER PFLICHT, ETWAS ZUM #BLACKOUTTUESDAY ZU TEILEN?

Viele Menschen haben am Dienstag schwarze Quadrate in ihrem Feed gepostet – und teilweise wenige Tage später wieder gelöscht, weil der schöne, helle, farblich passend aufgebaute Feed dadurch zerstört wird. Viele Menschen haben am Dienstag in ihrer Story Links, Profile, Bücher, Hörbücher, Podcasts, Videos und Bilder geteilt – und konnten bei anderen sehen, wie sie weiter Werbung geschaltet und ihren Alltag geteilt haben. Viele Menschen haben am Dienstag Kritik geerntet, Beleidigungen im Postfach gehabt und diesen Hass auch geteilt.

WELTSCHMERZ: HURRA, DIESE WELT GEHT UNTER?!

Hier sitze ich nun am Sonntag, nachdem ich den Weihnachtsbaum abgeschmückt, Wäsche gewaschen, aufgeräumt und das Bad geputzt habe. Ich sitze auf dem Sofa, lackiere mir die Nägel und schaue Vikings. Während auf der anderen Seite der Welt die Menschen alles, auch Sofa und Nagellack, an die Flammen verloren haben. Während ich mich in den letzten Tagen von einem geliebten Menschen verabschieden musste. Während Krieg droht, Menschen hungern, Städte überschwemmt, Kinder geboren werden und hier auf Instagram die Leute erzählen, dass sie ihre Wohnung schon umdekotiert haben, ein neues Outfit posten oder schon überlegen, wo sie nächstes Silvester feiern. 

NEURODERMITIS – WER BRAUCHT DAS SCHON?

Rissige und trockene Haut, blutige Ellenbogen, Schuppen auf der Kopfhaut – die typischen Merkmale für Neurodermitis, auch atopisches Ekzem genannt, lassen sich meist schwer übersehen. Mit dieser chronischen Hautkrankheit kommt meist ein riesiger Juckreiz einher, unter dem die Betroffenen sehr leiden.

"SEI NICHT SO SCHÜCHTERN" – DANKE, SIE HABEN MICH GEHEILT

Der Schnee knirscht unter meinen Schuhsohlen und peitscht mir ins Gesicht. Meine Brille ist klatschnass, ich kann kaum noch was sehen. Und meine Finger? Die spüre ich schon seit fünf Minuten nicht mehr. Hildesheim. -2 Grad. Das war vorgestern. Und richtig, ich bin spazieren gegangen. Als ich wieder zu Hause war, musste ich meine Haare föhnen. Während ich aber durch meine Straße gestapft bin im Schnee, kam mir der Gedanke wie viele Jahre ich jeden Morgen um 7 Uhr bei jedem Wetter das Haus verlassen hatte. Auch bei solchem. An unserer Bushaltestelle standen so viele Kinder jeden Morgen und haben auf die drei Busse gewartet, auf dessen Gängen man aufpassen musste, nicht hinzufallen, in denen die Brille sofort im Winter beschlug, wenn man einstieg. Dieses Jahr ist es drei Jahre her, seit ich mich zum letzten Mal morgens um 7 auf den Weg zur Bushaltestelle gemacht habe. Und ich vermisse es kein Stück. Ich vermisse es nicht, dass mein Leben damals nur aus acht Stunden Schule und denselben Menschen fünf Tage die Woche bestand. Ich …

ÜBER DEN WEIBLICHEN KÖRPER

Egal ob auf Blogs, Instagram oder Tumblr. Überall auf Social Media sieht man immer mehr Nacktheit, und allem voran nackte Frauenkörper. Es gibt Fotos von „hot dog legs“ am Pool, jungen Frauen in Badeanzügen oder Bikinis, die kaum etwas verdecken – Hauptsache die Nippel – und Fotos von Frauenhintern in engen Leggings und Brüste verpackt in Sport-BHs.   „The naked female body is treated so weirdly in society. It’s like people are constantly begging to see it, but once they do, someone’s a hoe.“ – Lena Horne Ich bin nicht sehr selbstbewusst aufgewachsen, war immer unsicher mit meinem eigenen Körper. Als junges Mädchen darf man mit seinem Körper nicht viel tun, ohne gleich als obszön oder vulgär abgestempelt zu werden. Als Mädchen lernt man seinen Körper zu verstecken. Es fängt mit banalen Dingen, wie in der Öffentlichkeit Pinkeln an, was Jungs dürfen. Aber wie viele Mädchen habt ihr in eurem Leben schon am Straßenrand hocken und pinkeln sehen? Jungs dürfen ohne Wenn und Aber oberkörperfrei rumlaufen, es stört niemanden. Trägt ein Mädchen keinen BH und …

ÜBER SELBSTLIEBE UND BODY POSITIVITY

Du stehst vor dem Spiegel und schaust dich gründlich an. Du entdeckst kleine Pickel in deinem Gesicht, die rechte Augenbraue, die du weniger magst als die linke und deinen Schneidezahn, der länger ist als der andere. Du fühlst, wie sich deine Wirbelsäule leicht knickt, weißt, dass deine Brüste nur Schwestern sind und keine Zwillinge. Dehnungsstreifen an den Oberschenkeln und Waden, zwei unschöne und nur sehr langsam verblassende Narben, die gerötete und aufgekratzte Haut in deinen Kniekehlen und überhaupt sind deine Oberarme genauso wie deine Oberschenkel viel zu schwabbelig.   Ungefähr das bin ich, wenn ich mich selbst darauf reduziere, was ich an meinem Äußeren nicht mag. Schaue ich aber genauer hin, sehe ich Augen, die von Grün zu Grau, von Grau zu Blau in jedem Licht ihre Farbe wechseln. Wimpern, die länger kaum sein können. Ein Grinsen, das dem meiner Lieblingsmenschen so ähnlich sieht und gleichzeitig einzigartig ist. Ich höre mein Lachen, das meine Mitmenschen in den meisten Fällen mitreißt. Ich sehe einen Bauch, der hoffentlich irgendwann mal kugelrund sein wird. Meinen Ringfinger an der …

ÜBER HEIMATLIEBE UND DAS GEFÜHL, AM FALSCHEN ORT ZU SEIN

Straßensperrungen, übergelaufene Keller und Bäche, die zu Flüssen werden: Ungefähr so konnte man meine Heimatstadt Hildesheim Ende Juli beschreiben. Die Innerste war durch den Dauerregen so hoch angestiegen, wie seit zehn Jahren nicht mehr. Und ich war nie so froh darüber, dass das Haus meiner Eltern sehr weit oben und ohne Keller gebaut ist. Zu der Zeit war ich in meiner dritten/vierten Woche in Göttingen. Auch dort hatte es Tage und Nächte durchgeregnet. Das Göttinger Tageblatt richtete für die Internetseite sogar einen Live-Blog ein, für den ich unter anderem in Hann. Münden, Hemeln und Dransfeld unterwegs war. Ich sah dort nur Wasserströme, von oben und unter mir. Und in sämtlichen Nachrichten sah ich nur meine Heimatstadt, die quasi absoff. Es war ein komisches Gefühl in den Meetings des Tageblattes zu sein und zuzuhören, wie über Hildesheim gesprochen wurde. Über 200 Feuerwehrleute aus dem Landkreis Göttingen machten sich in dieser Woche des Dauerregens auf den Weg nach Hildesheim, um zu helfen. Meine Freunde halfen in Hildesheim Keller auszupumpen und Sandsäcke zu befüllen. Der Paintballplatz, auf dem …

ZWISCHEN GIRLY UND TOMBOY

Wenn man mich auf der Straße sieht, dann trage ich meistens entweder etwas rosanes oder glitzerndes. Ich schminke mich gern und flechte mir die Haare. The Notebook und Titanic habe ich schon mehr als einmal geschaut. Ich gehöre auch zu den Einhörner-Konsumopfern und habe Einhorn-Handcreme, eine Einhorn-Powerbank, einen Einhorn-Beutel und ja, sogar Einhorn-Klopapier hat hier schon Einzug gefunden. Dazu kommt noch, dass ich klein und blond bin – also das Klischee-Girly schlechthin! Und genau deshalb ist es für die meisten Leute schwer zu glauben, wenn ich erzähle, dass ich auf einer Paintball-Anlage jobbe, Iron Man großartig finde oder mich darüber aufrege, wie scheiße der Schiri im letzten Bayern-Spiel war. Aber warum eigentlich?   Seit einem Jahr jobbe ich auf der Paintball-Anlage. In unserem Team war ich bis vor kurzem die einzige Frau und generell gibt es in diesem Sport und erst recht auf Paintball-Feldern kaum Frauen. Als ich mich vor über einem Jahr für die Stelle bewarb, wusste ich das allerdings noch nicht. Heute weiß ich bei Weitem immer noch nicht alles über diesen Sport, …

TO SAVE A LIFE

{Werbung, unbeauftragt} „Oma, was ist das?“ – „Das ist mein Organspendeausweis. Wenn mir mal was passiert und ich den bei mir habe, dann wissen die Ärzte, dass ich damit einverstanden bin, mit meinem Körper jemand anderem zu helfen.“ Seit meine Oma mir vor Jahren von ihrem Organspendeausweis erzählt hat, ging er mir nicht mehr aus dem Kopf. Ich habe mir lange Gedanken darüber gemacht, über meinen Tod, wie ich beerdigt werden möchte und ob ich nach meinem Tod einem anderen Menschen das Leben retten will. Diese Entscheidung sollte man allein mit sich selbst ausmachen. Schließlich geht es um den eigenen Körper, auch wenn man nach dem Tod keine Gewalt mehr über ihn haben wird. Ja, ich will.   Nun ist es endlich so weit und ich habe mir meinen eigenen Organspendeausweis bestellt und personalisiert. Was viele nicht wissen, er ist ab 16 Jahren komplett kostenlos erhältlich und nicht nur sinnvoll, wenn man seine Organe oder Gewebe spenden will. Selbst, wenn deine Antwort negativ ausfällt, ist es gut sie mit einem Organspendeausweis festzuhalten und immer bei sich …