HALLO HILDESHEIM, KOLUMNE
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ÜBER HEIMATLIEBE UND DAS GEFÜHL, AM FALSCHEN ORT ZU SEIN

Straßensperrungen, übergelaufene Keller und Bäche, die zu Flüssen werden: Ungefähr so konnte man meine Heimatstadt Hildesheim Ende Juli beschreiben. Die Innerste war durch den Dauerregen so hoch angestiegen, wie seit zehn Jahren nicht mehr. Und ich war nie so froh darüber, dass das Haus meiner Eltern sehr weit oben und ohne Keller gebaut ist.
Zu der Zeit war ich in meiner dritten/vierten Woche in Göttingen. Auch dort hatte es Tage und Nächte durchgeregnet. Das Göttinger Tageblatt richtete für die Internetseite sogar einen Live-Blog ein, für den ich unter anderem in Hann. Münden, Hemeln und Dransfeld unterwegs war. Ich sah dort nur Wasserströme, von oben und unter mir. Und in sämtlichen Nachrichten sah ich nur meine Heimatstadt, die quasi absoff.
Es war ein komisches Gefühl in den Meetings des Tageblattes zu sein und zuzuhören, wie über Hildesheim gesprochen wurde. Über 200 Feuerwehrleute aus dem Landkreis Göttingen machten sich in dieser Woche des Dauerregens auf den Weg nach Hildesheim, um zu helfen. Meine Freunde halfen in Hildesheim Keller auszupumpen und Sandsäcke zu befüllen. Der Paintballplatz, auf dem ich jobbe, musste für ein paar Tage schließen, weil das Wasser stand. Und was mit meinem Campus, der Domäne Marienburg, passiert ist, muss ich wohl nicht erwähnen.

 

Ich fühlte mich am falschen Ort in diesen Wochen. Meiner Oma ging es seit ein paar Wochen das erste Mal in meinem Leben nicht gut. Einer Freundin, die ich mittlerweile schon mein halbes Leben kenne, stand eine schlimme Zeit bevor. Und eine weitere Freundin konnte sogar eine Nacht nicht mehr zurück in ihr Elternhaus, weil die Wassermassen es ihr unmöglich machten. All das passierte, während ich so südlich in meinem geliebten Norden war, wie noch nie vorher und das auch noch für eine längere Zeitspanne. Am liebsten wäre ich sofort nach Hildesheim gefahren, um einfach dort zu sein. Für das Wochenende bin ich das dann auch auf Umwegen, weil es einen Erdrutsch gab und mein kleines Auto musste durch einen von der Leine überspülten Weg fahren, wobei ich fest glaubte, gleich mit ihm wegzuschwimmen. Als ich dann zu Hause ankam, fuhren mir bestimmt zehn Feuerwehrfahrzeuge entgegen. Und mein Schock saß tief, als ich das Überlaufbecken zu Gesicht bekam. Zum Glück aller entspannte sich an diesem Wochenende die Lage in Hildesheim und ich konnte einigermaßen beruhigt wieder in den Süden fahren.
Seit ich hier in Göttingen bin, habe ich mich definitiv noch mehr in Niedersachsen verliebt. Das stetige Auf und Ab der Landschaft. Die Wälder und Felder, die man überall sehen kann, wenn man nur richtig hinschaut. Es ist kein Landleben, aber ein richtiges Großstadtfeeling bekomme ich in Niedersachsen auch nicht. Stattdessen ist von allem ein bisschen dabei und genau das liebe ich an Niedersachsen, aber vor allem an Hildesheim. Und deswegen schmerzte es in diesen Wochen sehr, so weit weg von zu Hause zu sein.

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