INSPIRATION, KOLUMNE
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ZWISCHEN GIRLY UND TOMBOY

Wenn man mich auf der Straße sieht, dann trage ich meistens entweder etwas rosanes oder glitzerndes. Ich schminke mich gern und flechte mir die Haare. The Notebook und Titanic habe ich schon mehr als einmal geschaut. Ich gehöre auch zu den Einhörner-Konsumopfern und habe Einhorn-Handcreme, eine Einhorn-Powerbank, einen Einhorn-Beutel und ja, sogar Einhorn-Klopapier hat hier schon Einzug gefunden. Dazu kommt noch, dass ich klein und blond bin – also das Klischee-Girly schlechthin! Und genau deshalb ist es für die meisten Leute schwer zu glauben, wenn ich erzähle, dass ich auf einer Paintball-Anlage jobbe, Iron Man großartig finde oder mich darüber aufrege, wie scheiße der Schiri im letzten Bayern-Spiel war. Aber warum eigentlich?

 

Seit einem Jahr jobbe ich auf der Paintball-Anlage. In unserem Team war ich bis vor kurzem die einzige Frau und generell gibt es in diesem Sport und erst recht auf Paintball-Feldern kaum Frauen. Als ich mich vor über einem Jahr für die Stelle bewarb, wusste ich das allerdings noch nicht. Heute weiß ich bei Weitem immer noch nicht alles über diesen Sport, aber ich bin vielleicht eine von 10 Frauen in ganz Deutschland, die auf einer solchen Anlage arbeitet. Und dafür braucht man manchmal ganz schönes Durchsetzungsvermögen. Man kassiert nicht wenig dumme Sprüche, fragende Blicke, aber auch Bewunderung und Respekt, dass man es in dieser Männer-Domäne aushält.
Die erste Reaktion von Kunden, wenn sie mich hinterm Tresen stehen sehen, ist meistens Verwunderung. „Was, eine Frau? Hier? Weiß die überhaupt, was sie hier tut?“ Ungefähr so kann man die Blicke deuten und das wurde ich sogar schon mal gefragt. Überhaupt werde ich sehr oft gefragt, wieso ich als junge Frau mir so einen Job ausgesucht habe. Wenn ich dann auch noch sage, dass er mir Spaß macht, verstehen einige Leute gar nichts mehr, was ich wiederum nicht verstehe. Soll doch jeder das tun, was ihm Spaß macht und das tue ich hier auf jeden Fall.

Als ich letztens auf der Comic Con in Hannover war, kam als häufigste Reaktion von Leuten, denen ich davon erzählte: „Damit hätte ich bei dir aber am wenigsten gerechnet, du bist ja ein richtiger Nerd!“ Und zwar so betont, als wäre das das Absurdeste auf der Welt für mich oder überhaupt eine Frau. Spreche ich dann noch von Fußball, lautet die Reaktion meist: „Du guckst das ja nur wegen den Spielern.“ Mir wird sofort Ahnung von Fußball und ehrliches Interesse an diesem Sport abgesprochen und ich werde darauf reduziert, schwitzende Männer anzuhimmeln.

Diese Logik besagt also, dass ich als Frau meinem Job in einer Männer-Domäne nicht nachgehen kann, ohne Fragen gestellt oder dumm angemacht zu werden. Dass dieser Job mir doch überhaupt nicht gefallen kann, wenn da nur Kerle um mich rumlaufen und durch die Gegend geballert wird. Diese Logik besagt, dass ich meinen Hobbys als Frau nicht nachgehen kann, insofern sie mich als Nerd unsexy machen. Und diese Logik besagt, dass ich meiner Leidenschaft als Frau nicht nachgehen kann, wenn sie ein Männersport ist, weil es mir ja eh nicht um den Sport an sich geht und ich überhaupt keine Ahnung von sowas haben kann. Diese Logik besagt, ich bin entweder ein Girly oder ein Tomboy. Und weil ich das jetzt so äußere, bin ich wahrscheinlich noch eine Zicke oder habe meine Tage.

Nur um das klarzustellen; das sind alles Dinge, die mir so schon geäußert wurden. Wenn auch nicht wortwörtlich, dann sind es doch diese Gründe, weswegen ich auf der Arbeit manchmal schräg angeschaut werde, weshalb ich abwertende Blicke beim Fußballgucken kassiere und weswegen es mir keiner so richtig abkauft, wenn ich von Actionfilmen rede.

Ich habe zu Anfang geschrieben „Und DESHALB ist es für die meisten Leute schwer zu glauben“, dass ich auf typische Jungs-Sachen stehe. Dabei darf es dieses DESHALB heutzutage einfach nicht mehr geben. Es ist doch total egal, ob ich mir morgens gern die Haare zurechtmache UND abends das Champions League-Finale angucke. Warum geht nicht beides zusammen in unserer Gesellschaft? Mädchen lieben Rosa, Glitzer und Make-Up. Jungs stehen auf Fußball, Actionfilme und Sport sowieso. So ein Bullshit! Ich wünsche mir von unserer Gesellschaft mehr Akzeptanz für Menschen wie mich, bei denen das Auftreten und die Vorlieben auf den ersten Blick vermeintlich nicht zusammenpassen. Ich möchte meinen Rosa Tüllrock tragen und darüber diskutieren dürfen, was im nächsten Marvel-Film passiert. Ich möchte Ich selbst sein können, ohne dass mir dadurch Attribute abgesprochen werden oder groß Verwunderung darüber aufkommt. Ich möchte respektiert werden und akzeptiert werden, egal wo ich arbeite, was ich anziehe oder was ich in meiner Freizeit mache. Ich bin nicht entweder girly oder tomboy – ich bin beides und darf auch beides sein.

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