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DIE EIGENEN VIER WÄNDE

Dunkelgrün, Rosa mit Krönchen, Babyblau, Rot und Weiß – mein Zimmer hatte schon viele Farben an den Wänden. Es müsste mittlerweile fünf Jahre her sein, seit es zuletzt renoviert wurde. Damals war ich 14 Jahre alt, zu viel Mädchen für Babyblau und zu viel Bayernfan als dass mein Zimmer nicht hätte rot werden können. Und so kam es, dass zwei der vier Wände rot tapeziert wurden, eine Wand weiß blieb und eine Wand mit weißer Blümchentapete gestaltet wurde. Dieses Jahr werde ich 20 und würde am liebsten alles anders machen, obwohl ich im letzten Post noch gesagt habe wie schön es zu Hause ist.

Jeder Mensch hat ja bekanntlich einen anderen Geschmack, einer orientiert sich mehr am Trend und einer weniger. Manche mögen es eher schlicht in weiß und stehen auf Minimalism und andere haben überall Deko und anderen Kleinkram rumstehen mit grünen Wänden und pinken Möbeln. Ich schätze, mittlerweile bin ich irgendwas dazwischen und ein absolutes Konsumopfer. Hätte ich das nötige Kleingeld, würde ich nur noch bei UO, Depot, meingeliebteszuhause, Impressionen und wie sie nicht alle heißen, bestellen.
Dabei habe ich selbst unfassbar viel Kleinkram und zwar nicht nur schönen. Vieles aus Kindertagen steht noch bei mir im Zimmer herum und ich bringe es nicht übers Herz es wegzuschmeißen. So landet es in Kisten und die Kisten wiederum in Schubladen. Und meine Vorfreude auf meine erste eigene kleine Wohnung steigt und steigt, auch wenn ich sie nur für drei Monate bewohnen werde. Wo sie sich befindet, steht auch noch in den Sternen. Wann ich sie beziehe, sowieso. Aber ich kann es kaum noch abwarten, alles so zu gestalten wie ich möchte und nur die schönsten und wichtigsten Möbel und Sachen mitzunehmen. Weiße Wände mit Fotos zu behängen, mein geliebtes türkises Sofa mitzunehmen und mein leuchtendes K auf meinen Nachtschrank zu stellen.

Auch vor fünf Jahren habe ich gedacht, ich gestalte alles so wie ich möchte. Und, versteht mich nicht falsch, ich liebe meine Möbel auf jeden Fall noch immer und meine Blümchentapete klingt alberner als sie aussieht. Mich stört mittlerweile aber die Anordnung und Zusammenstellung, die man eben auf mehrere Zimmer aufteilen könnte, wenn man sie zur Verfügung hätte.
Aber das habe ich eben nicht und so habe ich oft das Gefühl, wenn Freunde in meinen vier Wänden sind, dass ich mich nicht so darstellen kann mit meinem Zimmer, wie es mir lieb wäre. Es ist eben doch noch ein Kinderzimmer irgendwie und in den letzten fünf Jahren habe ich mich geändert, was man dort eben nicht sieht – außer, dass Fotos aufgestellt und wieder ausgetauscht wurden. So fällt es mir schwer, jemanden hier zu haben ohne mich zu erklären oder gar etwas zu rechtfertigen.

Vor denjenigen, die mich schon lange kennen und hier wie Familie ein- und ausgehen, habe ich dieses Gefühl weniger. Aber ich hätte nie gedacht, dass es mich so hemmen würde wie mein Zimmer aussieht. Nun könnte man sagen: dann schmeiß doch weg, kauf neu, verkauf einiges. Aber zum Renovieren sehe ich keinen Sinn, wenn ich eventuell bald ausziehe – wenn auch für kurze Zeit, oder erst im nächsten Jahr. Und zum Neukaufen und Verkaufen habe ich eben schon geschrieben, dass ich alle Möbel weiter verwenden würde, womit gar kein Platz für Neues wäre. Es ist also irgendwie blöd, ich bin nicht zu 100% zufrieden, habe ein paar Lieblingsecken in meinem Zimmer und finde es komisch, jemand Neues in meine fünf Jahre alte Umgebung einzuladen. Aber ich freue mich dadurch umso mehr auf die Zeit, in der ich alles jederzeit so (um-)gestalten kann, wie ich möchte.

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